24. Juni 2013

Prism & Tempora - Ein Kommentar


Ich muss so 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein, als ich 1984 von George Orwell gelesen habe. An viele Einzelheiten erinnere ich mich nicht mehr, die letzten Neuigkeiten über Prism, Tempora oder Drohneneinsätze des FBI im eigenen Land erinnern mich aber doch sehr an einige Aussagen des Buches. Und ich fühle mich ebenso hilflos wie damals.



Nun, was kann man tun? Nach dem ersten Bekanntwerden des Prism-Überwachungsprogramms habe ich verschiedene Ideen gelesen und gehört, wie wir uns vor dem Ausspähen schützen könnten, unter anderem: weniger mailen, mehr telefonieren. Je nachdem wohin man telefoniert kann das ein wenig helfen, transatlantisch wohl Dank Tempora nun auch nicht mehr. Wir löschen also unsere Facebook und Google Accounts, posten keine Bilder, betreiben keine Blogs und Webseiten, verschlüsseln alle unsere E-Mails und bauen immer mehr Mauern um uns herum. Das ist nicht der richtige Weg!
„Wer nichts falsches tut, hat auch nichts zu befürchten“ ist zwar ein Satz der an sich wahr ist, aber genauso wenig hilfreich, wie der Schritt zurück in die analoge Welt. Ich entscheide, wer meine Facebook-Einträge lesen soll und ich entscheide über den Empfänger meiner Nachrichten und E-Mails. Und solange in CC nicht Google, NSA oder GCHQ eingetragen ist, möchte ich auch, dass es so bleibt. Ich und jeder andere Nutzer von Kommunikationswegen aller Art hat das Recht den Adressaten selber zu bestimmen.

Es geht nicht darum, dass wir unsere Kommunikation einschränken. Wir müssen und wollen kommunizieren, wir sind soziale Wesen. Das das, was wir in Blogs, auf Webseiten oder öffentlich in sozialen Netzwerken von uns preisgeben auch wirklich öffentlich ist, sollte uns bewusst sein. Beim Sammeln, Speichern, Auslesen oder Auswerten aller weiterer Daten wird aber unsere Privatsphäre verletzt. Und es geht hier nicht um Payback-Punkte.

Wir als Nutzer hätten die Macht, Facebook & Co zu einem für uns befriedigenden Umgang mit unseren Daten zu zwingen, aber das nur nebenbei. Das größere Problem sind die staatlichen Einrichtungen, wenden wir uns also der politischen Ebene zu.
Welche Rolle Deutschland bei den Überwachungsprogrammen spielt, ist noch nicht ganz geklärt. Ich kann mich natürlich täuschen aber ich denke, dass da noch etwas kommt, und zwar aus folgendem Grund: Sollten der BND oder vielleicht auch der MAD (Militärischer Abschirmdienst) weder von Prism noch von Tempora gewusst haben, wäre das schlichtweg eine schlampige Arbeit der Deutschen Einrichtungen. Außerdem sollten sie ihre Zusammenarbeit mit den anderen westlichen Geheimdiensten überdenken. Da Frau Merkel sich sehr ahnungslos gibt wäre eine zweite Möglichkeit, dass die Kommunikation zwischen unseren Geheimdiensten und der Regierungsspitze ein wenig zu wünschen übrig ließe. Was aber katastrophale Auswirkung auf die Reaktionsmöglichkeiten unserer Regierung hätte. Da ich beides nicht ganz glauben kann gehe ich davon aus, dass zumindest ein Teil unserer Regierung davon wusste. 

Die eigentliche Idee der Einsetzung einer demokratischen Regierung war einmal, dass ein Volksvertreter an die Spitze des Landes gewählt wird, um die Interessen der Mehrheit der Bürger und Bürgerinnen sowohl innerhalb des Landes als auch nach außen hin zu vertreten. Das Ziel unserer Deutschen, als auch der Amerikanischen oder Englischen Regierung sollte nicht die Überwachung derer sein, die sie vertreten. Im Gegenteil, die Regierungen wurden eingesetzt um unsere Interessen, also auch den Schutz unserer Privatsphäre, zu vertreten. Doch ein weiteres Mal zeigt sich, dass Regierungen lediglich ihre eigenen Interessen vertreten.

Kommentare:

  1. Ich denke, einen Aspekt sollte man bei der Sache nicht übersehen, nämlich den Propaganda-Aspekt. Ist das, was uns die Medien Tag für Tag scheibchenweise enthüllen, wirklich das, was die USA und Großbritannien auf diesem Gebiet bereits können, oder ist es vielleicht eher das, was sie am liebsten schon können würden, aber eben noch nicht können? Man weiß es nicht.

    Verfolgt man allerdings die Berichterstattung und hinterfragt die technischen Details, dann kommen einem schon eine ganze Reihe offener Fragen und auch Widersprüche zu Tage.

    Und auch die ganze Geschichte mit Herrn Snowden leuchtet mir bisher noch nicht sonderlich ein: Da ist ein Geheimdienstagent mit Ausbildung für spezielle Aufträge, der dann ganz plötzlich seinen eigenen Laden verrät, obwohl er eigentlich nicht sonderlich Neues erzählt, der große Angst hat gefasst zu werden, aber immer ziemlich genau mitteilt, wo er angeblich gerade ist. Seine ehemaligen Vorgesetzten sind nach außen entrüstet, dass ihr ach so geheimes Programm enttarnt wurde, lassen aber keine Gelegenheit aus, weitere Details an die Öffentlichkeit zu bringen und damit zu prahlen, was sie nicht alles überwachen können.

    Irgendwie wirkt das nicht besonders plausibel auf mich. Natürlich wird, wie immer in solchen Fällen, ein wahrer Kern existieren, aber man darf nicht vergessen, dass es natürlich auch Propaganda gibt.

    Ist die ganze Sache deswegen weniger gefährlich? Nein, ganz im Gegenteil. Denn, ganz unabhängig davon, was an Überwachung bereits möglich ist, die Masche zieht! Im Prinzip müssten weder USA noch Großbritannien irgendetwas von diesen Maßnahmen konkret umsetzen (das wäre natürlich der andere Extremfall, irgendetwas davon wird vermutlich schon existieren), wir würden uns trotzdem in die Ecke drücken lassen.

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  2. Hallo Patrick,

    danke für dein Kommentar. Du hast natürlich recht, wie denn nun alles ganz genau ist, wissen die meisten sicher nicht, ich natürlich auch nicht. Und manches hört sich wahrlich komisch an. Wir werden sehen, vielleicht kommt ja noch ein bisschen mehr Licht in die Sache.

    Grüße,
    David

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